Zusammenfassung
Die Zukunftsfähigkeit des forstwissenschaftlichen Standorts Tharandt erfordert das gleichzeitige Zusammenspiel von finanzieller Stabilität und fachlicher Profilstärke.
Die unterzeichnenden Verbände fordern daher gemeinsam:
• finanzielle Absicherung des Standorts durch den Freistaat Sachsen,
• Erhalt und Ausbau wissenschaftlicher Kapazitäten und konsequente Nachbesetzung freiwerdender Stellen,
• klare strategische Entscheidung für den Erhalt forstlicher Kompetenzen,
• fachlich kohärente und standortgerechte Berufungspolitik,
• Stärkung der anwendungsorientierten, generalistischen Ausbildung als Leitprinzip mit starker Verzahnung von Forschung und Praxis.
Die unterzeichnenden Verbände und Organisationen sehen die aktuelle Entwicklung am forstwissenschaftlichen Standort Tharandt mit großer Sorge. Angesichts wachsender globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und nachhaltige Ressourcennutzung kommt der forstwissenschaftlichen Ausbildung und Forschung eine zentrale gesellschaftliche Rolle zu.
Gleichzeitig zeichnen sich an der TUD Entwicklungen ab, die diese Rolle schwächen könnten:
Verlust fachlicher Breite durch Berufungen ohne hinreichenden Bezug zum forstwissenschaftlichen Profil des Standorts sowie eine zunehmende Ausrichtung auf allgemeine Umweltwissenschaften zulasten forstlicher Kernkompetenzen.
Strukturelle Schwächung durch geplante finanzielle Kürzungen und Personaleinsparungen, die sich bereits in der Lehre niederschlagen, etwa durch reduzierte Modulangebote, eingeschränkte Wahlmöglichkeiten und verlängerte Studienzeiten.
Aus Sicht der unterzeichnenden Verbände und der forstlichen Praxis mehren sich bereits heute Hinweise auf eingeschränkte Lehrangebote, fehlende fachliche Inhalte und eine sinkende Ausbildungsqualität. Dies gefährdet die Ausbildung des forstlichen Nachwuchses, die Leistungsfähigkeit der Forstpraxis sowie die wissenschaftliche und gesellschaftliche Rolle der TU Dresden.
Adressat: Freistaat Sachsen / Staatsregierung
Der Standort Tharandt bildet seit Generationen forstliche Fach- und Führungskräfte aus und ist eine zentrale Instanz für die Bewältigung von Klimawandel, Waldumbau und nachhaltiger Ressourcennutzung in Sachsen und darüber hinaus.
Dennoch droht der Standort durch anhaltende finanzielle Unsicherheiten schrittweise geschwächt zu werden. Die Leistungsfähigkeit des Standorts ist unmittelbar an seine finanzielle Ausstattung gebunden. Gerade im Hinblick auf freiwerdende Professuren und zu befürchtende Kürzungen über die derzeit diskutierten 10 % hinaus drohen ohne ausreichende finanzielle Ressourcen:
Vor diesem Hintergrund richten die unterzeichnenden Verbände ihre Erwartungen ausdrücklich an die Staatsregierung und die laufenden Haushaltsverhandlungen:
Adressat: Universitätsleitung/ Fachrichtungsleitung
Parallel zur finanziellen Entwicklung ist eine fachliche Verschiebung zu beobachten, die das Profil des Standorts grundlegend infrage stellt.
Die Stärke Tharandts liegt in der generalistischen, anwendungsorientierten Ausbildung und Breite forstlicher Disziplinen: von ökologischen über ökonomische bis hin zu politischen und praxisorientierten Perspektiven. Diese fachliche Vielfalt ermöglicht eine Ausbildung, die den realen Anforderungen der forstlichen Praxis und Wissenschaft gerecht wird. Angesichts laufender Transformationsprozesse ist eine Weiterentwicklung des Standorts notwendig und richtig, sie muss jedoch auf einem klaren forstfachlichen Fundament erfolgen und die Anwendungsorientierung als zentrales Profilmerkmal erhalten und weiter stärken.
Diese Stärke droht verloren zu gehen, wenn:
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Anforderungen, etwa durch Fragen der Rohstoffverfügbarkeit, des klimaresilienten Waldumbaus, neuer Märkte und Nutzungskonflikte sowie komplexerer Ökosystemdynamiken ist eine breite und anwendungsorientierte Ausbildung unerlässlich.
Ein zukunftsfähiges forstliches Berufsbild erfordert nach Ansicht der unterzeichnenden Verbände fundierte Kenntnisse u.a. in:
Diese Disziplinen sind nicht austauschbar, sondern bilden gemeinsam die Grundlage für eine integrierte, praxisnahe Ausbildung und zeitgemäße Forschung. Dabei muss gewährleistet sein, dass Zusammenhänge zwischen den Disziplinen vermittelt werden, statt isolierte Spezialisierungen zu fördern.
Erforderlich ist daher:
Neubesetzungen sollten sich konsequent am forstwissenschaftlichen Profil des Standorts und an einer ausgeprägten Anwendungsorientierung ausrichten. Gerade diese Profile machen die besondere Stärke Tharandts aus: Sie ermöglichen es, spezialisierte Forschung in einen gesamtforstlichen Kontext einzuordnen, Verbindungen zwischen Fachgebieten und Ökosystemleistungen herzustellen und komplexe Zusammenhänge für Praxis und Gesellschaft verständlich und nutzbar zu machen.
Nur ein fachlich starkes und konsistentes Gesamtprofil gewährleistet langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und Strahlkraft des Standorts in Praxis und Forschungswelt. Eine schleichende Entkopplung von Ausbildung und forstlicher Praxis würde langfristig dazu führen, dass Absolventinnen und Absolventen den Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht mehr in vollem Umfang entsprechen.
Ein starker forstwissenschaftlicher Standort Tharandt ist Voraussetzung für qualifizierten Nachwuchs und eine zukunftsfähige Forstwirtschaft. Seine Sicherung ist keine Einzelinteressenfrage, sondern eine Investition in die Zukunft von Wald, Umwelt und Gesellschaft. Sie erfordert sowohl politische Entscheidungen zur finanziellen Ausstattung als auch fachliche Weichenstellungen innerhalb der Universität. Nur im Zusammenspiel beider Ebenen kann der Standort seine Rolle für Sachsen, Deutschland und darüber hinaus erfüllen.