Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Landesverband Sachsen e. V., sieht die Planungen der Stadt Leipzig für den Wald am Cottaweg mit großer Sorge. Nach den derzeit bekannten Planungen soll ein rund fünf Hektar großer Waldbestand gerodet werden, um die Erweiterung des Sportstandortes von RB Leipzig zu ermöglichen. Die Entscheidung über die konkrete Flächeninanspruchnahme und mögliche Alternativen liegt jedoch bei der Stadt Leipzig.
Aus Sicht der SDW geht es dabei nicht allein um den Verlust einiger Hektar Waldfläche. Betroffen ist ein Gebiet mit hoher Bedeutung für den Biotopverbund des Leipziger Auwaldes. Der Waldbestand bildet einen der letzten noch weitgehend zusammenhängenden Waldkorridore zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Auwaldes und übernimmt damit wichtige Funktionen für den Austausch von Tier- und Pflanzenpopulationen sowie für die ökologische Vernetzung innerhalb des Stadtgebietes.
Der ökologische Wert eines Waldes bemisst sich nicht allein nach seiner Fläche, sondern ebenso nach seiner Lage und seiner Funktion innerhalb des Landschaftsgefüges. Gerade in stark verdichteten Räumen erfüllen Waldkorridore eine zentrale Funktion für den Biotopverbund und die Anpassungsfähigkeit von Arten an den Klimawandel.
Der Leipziger Auwald ist bereits heute durch Verkehrsachsen, Siedlungsentwicklung und andere Nutzungen erheblich belastet. Gerade Eingriffe an bereits heute bestehenden Engstellen können die Zerschneidung wertvoller Lebensräume weiter verstärken. Besonders Arten mit geringer Mobilität sind auf funktionierende Grünverbindungen angewiesen. Gehen diese verloren, können Lebensräume dauerhaft voneinander isoliert werden.
Darüber hinaus weist die SDW darauf hin, dass Leipzig und sein unmittelbares Umland zu den waldärmsten Regionen Sachsens gehören. Während der Freistaat Sachsen mit seiner Waldstrategie 2050 eine Erhöhung des Waldanteils anstrebt und europaweit mit der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur die Renaturierung und Vernetzung geschädigter Ökosysteme vorangetrieben wird, würde die Rodung eines gewachsenen Waldkorridors diesen Zielen entgegenstehen.
Zudem erfüllt der Wald am Cottaweg weitere wichtige Ökosystemleistungen für die Stadt. Er trägt zur Kühlung des Stadtklimas bei, verbessert den Wasserrückhalt nach Starkregen und wirkt den Folgen der sommerlichen Überhitzung entgegen. Gerade im Zuge des Klimawandels gewinnen diese Funktionen zunehmend an Bedeutung. Wie eine Übersichtsarbeit der Technischen Universität München zu den Ökosystemleistungen von Stadtbäumen zeigt, zählen insbesondere Beschattung und Verdunstung zu den wichtigsten natürlichen Mechanismen zur Abkühlung des urbanen Raums (1). Große Bäume und zusammenhängende Waldbestände gehören deshalb zu den wirksamsten Instrumenten der kommunalen Klimaanpassung. Diese Leistungen lassen sich nach einer Rodung auch durch umfangreiche Ersatzpflanzungen erst nach vielen Jahrzehnten wieder erreichen.
Besonders kritisch bewertet die SDW den Verlust älterer Bäume. Nach aktuellen Untersuchungen des Dendrologen Prof. Dr. Andreas Roloff sind zur Erbringung vergleichbarer Ökosystemleistungen eines großen Altbaumes mehrere hundert Jungbäume erforderlich (2); (3). Die Leistungen eines gewachsenen Baumbestandes hinsichtlich Beschattung, Luftfilterung, Kühlung und Kohlenstoffspeicherung lassen sich daher weder kurzfristig noch vollständig durch Ersatzpflanzungen kompensieren.
Alte Bäume und gewachsene Waldbestände sind keine beliebig austauschbare Infrastruktur. Wer sie entfernt, verliert ökologische Leistungen, die sich selbst durch umfangreiche Ersatzpflanzungen erst nach Jahrzehnten, teilweise sogar Jahrhunderten, wieder annähern lassen.
Die SDW appelliert daher an die Stadt Leipzig, im weiteren Planungsverfahren alle realistischen Standortalternativen und Planungsvarianten ergebnisoffen zu prüfen und deren Auswirkungen auf Wald, Biotopverbund, Stadtklima und Artenvielfalt umfassend abzuwägen. Wo sich Eingriffe in bestehende Waldbestände vermeiden lassen, sollten diese Alternativen Vorrang erhalten.
Eine wachsende Stadt wie Leipzig braucht mehr Wald, mehr Biotopverbund und mehr klimaresiliente Grünstrukturen, nicht weniger.